Wie ein Messebauer eine kommunikative Cloud erschaffen hat

In 6 Minuten gelesen *

Communication Cloud

Christian Coppeneur-Gülz denkt gern in Prozessen – und hat bereits 2005 eine eigene Cloud-Lösung gebaut. Damit kann der Geschäftsführer von WWM den Wandel seiner Branche mitgehen und heute interessante digitale Services bieten.

 

Ein mittelständischer Messebauer, der 2005 eine eigene Cloud-Lösung baut? Zu einem Zeitpunkt, als viele Cloud-Studien die Angebote als intransparent und unausgereift bemängeln – und 80 Prozent der Unternehmer hierzulande skeptisch gegenüber Cloud Computing sind?

Das focht Christian Coppeneur-Gülz nicht an. Er modellierte die Prozesse zur Planung von Messen und Events und übertrug sie in die Cloud. In Kooperation mit der renommierten WHU – Otto Beisheim School of Management, an der er studiert hatte.

„Vorbild waren die Prozesse, wie man sie im SAP-Bereich kennt“, berichtet Coppeneur-Gülz. „Wir haben beispielsweise angeschaut, wie Abstimmungen in der Marketing-Welt funktionieren und diese dann digital abgebildet.“

 

Digitale Befreiung für das Marketing

So entsteht Version 1.0 einer Cloud-Lösung, mit der sich Events planen lassen. Darin können Kunden sich ihren Stand zusammenstellen und standardisierte Prozesse sorgen dafür, dass alle Materialien mitkommen – vom Kaffee über den Werbeflyer bis zum mobile Präsentationssystem.

Event-Ressource-Management nennt sich das im Fachjargon. „Unsere Lösung entlastet die Marketing-Mitarbeiter von wiederholenden Tätigkeiten und gibt ihnen mehr Zeit für die Konzeption einer Veranstaltung“, erklärt Coppeneur-Gülz. „Das Marketing war auch ein dankbarer Bereich, weil es dort noch nicht so prozess-orientiert zuging“, erinnert sich Coppeneur-Gülz.

Dr. Christian Coppeneur-Gülz: „Unsere Cloud kommt dem Marketing besonders entgegen, denn es fühlt sich als kreative Einheit und mag eigentlich keine Prozesse.“

Die Lösung myWWM wird sich später als Zugpferd erweisen und als Wendepunkt im Geschäft von WWM.

 

Beobachten, in welcher Weise sich die Branche ändert

1977 hatte sein Vater Friedhelm Gülz das Unternehmen unter dem Namen Werbewerkstätten Monschau gegründet. Kerngeschäft ist Design, Produktion und Aufbau von Messeständen. Lange Jahre floriert das Unternehmen, bis sich Ende der 2000er-Jahre abzeichnet, dass die Messebaubranche schrumpft.

Zu dieser Zeit zeichnet sich ein Wandel in der Kommunikations-Branche ab. Unternehmen setzen zunehmend auf Events. Der Begriff wird gesellschaftsfähig und die Branche spricht erstmals von Direkt- oder Live-Kommunikation.

„Diese Entwicklung resultiert daraus, dass die Menschen zunehmend digital kommunizieren. Dadurch steigt auch ihr Bedürfnis nach persönlichen Treffen“, erklärt Coppeneur-Gülz und folgert: „Diesen Trend werden sich Unternehmen zunutze machen und in Zukunft mehr Events durchführen.“

Damit eröffnet sich für den Messebauer eine neue Chance: Mit seinem Veranstaltungs-Know-how kann WWM künftig eine viel größere Kundschaft ansprechen. Denn ob Hausmesse, Promotion oder Roadshow: Die Kunden benötigen immer die gleichen Werbemittel, Logos und Broschüren oder Getränke und Give-Aways.

 

Vision „Perspektive 2020”
Um seinen Kunden die Event-Organisation weiter zu vereinfachen, baut WWM 2012 ein neues Lager in Alsdorf auf. Hier können die Kunden ihr Equipment unterbringen und WWM liefert es termingerecht zu Messen europaweit.

 

Unternehmen mit digitaler Vorgeschichte

Jetzt kommt ihm entgegen, dass WWM bereits erste Schritte in Richtung Digitalisierung unternommen hatte. Coppeneur-Gülz hatte das Unternehmen 2005 von seinem Vater übernommen und begann schon bald darauf, alle individuellen Grafiken, Druck- und Werbeerzeugnisse seiner Kunden zu digitalisieren. Danach virtualisierte er deren Messestände.

Das ermöglichte es nun, viele Prozesse digital zu gestalten. „Das ist ja das Charakteristische an der Digitalisierung: Mit digitalen Elementen gehen auch neue, schlankere Prozesse einher“, sagt Coppeneur-Gülz.

Hierbei nutzt der Wirtschaftsinformatiker und Experte für Business-Process-Outsourcing sein profundes Wissen aus dem Studium. Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der WHU hatte er untersucht, ob Application Service Provider helfen, die Informations- und Kommunikationssysteme zu verbessern und dabei auch Kosten zu sparen.

„Diese Arbeit zeigte mir das Potential der Digitalisierung und mir war schnell klar, dass ich das ins Unternehmen einbringen würde“, erzählt Coppeneur-Gülz.

 

Die Cloud wird zum Zugpferd

Mit der Cloud-Lösung kann WWM die Digitalisierung seiner Kunden mitgehen. Schritt für Schritt hat sie sich zu einem starken Tool für Prozessoptimierung entwickelt. Immer mehr Marketing-Abteilungen messen beispielsweise per Tracking, wie erfolgreich ihre Online-Auftritte sind. Das lässt sich auch auf Veranstaltungen übertragen: Hier wird erfasst, wie viele Besucher vorbeigekommen sind, wie lange die Verweildauer war und was sie gemacht haben.

 

Business Intelligence live vom Stand
Die Cloud-Lösung enthält mittlerweile ein Business-Intelligence-Modul, das Besucherströme auf Veranstaltungen automatisch erfasst und KPIs ermittelt. Damit können die Besucher über Social Media per Retargeting erneut angesprochen werden.

 

Vom Messebauer zum Cloud-Anbieter – die Transformation ist vollzogen. Dank der Cloud wurde 2012 ein Wachstum von 30 Prozent erzielt und inzwischen zählt WWM fast 70 Mitarbeiter. Die neue Firmierung „WWM Live Communication On Demand“ zeigt, wie sich das eigene Selbstverständnis gewandelt hat: WWM sieht den Messebau nicht mehr isoliert, sondern zählt sich zur Sparte der Live-Kommunikation.

„Heute sind wir in der Lage, innerhalb von 48 Stunden komplette Messestände mit vorher stückzahlgenau bestellten Materialien zu liefern“, resümiert Coppeneur-Gülz. „Und jährlich organisieren wir mehr als 2.500 Messen und Veranstaltungen.“

Wichtiger noch: Bestellt wird in der WWM-Cloud. Und für die haben sich mittlerweile rund 10.000 Anwender registriert.

 

Lessons learned

  • Fangen Sie damit an, Arbeitsmittel zu digitalisieren.
  • Beobachten Sie, wie sich Ihre Branche entwickelt – und damit die Bedürfnisse Ihrer Kunden wandeln.
  • Ihre Branche ist wenig prozessorientiert? Umso besser, machen Sie den Anfang!

 

Moderner Arbeitsplatz bei WWM

Der Cloud-Pionier WWM will künftig selbst nur mehr Cloud-Software nutzen. Wie sich das Unternehmen einen modernen Arbeitsplatz geschaffen hat, der dieses Ziel unterstützt, lesen Sie in dieser Kundenreferenz von Microsoft „Wie ein Pionier der Live-Kommunikation seine Arbeitsplätze gestaltet.“

 

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